Kreispolizei Lippe war im Fall Lügde vollkommen überfordert

Bericht nach Zeugenvernehmung im PUA IV

Immer klarer wird im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Kindesmissbrauch (PUA IV), dass die Kreispolizeibehörde in Lippe mit dem Fall Lügde vollkommen überfordert war. Dennoch hat sie die Ermittlungen nicht rechtzeitig abgegeben und offenkundige Probleme viel zu lange zu kaschieren versucht. Im PUA ging es am Freitag um verschwundene Asservate und um Führungsversagen auf höchsten Ebenen.

Dazu der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion im PUA IV, Dietmar Panske:
„Wie Asservate in Form von 155 CDs und DVDs einfach unauffindbar verschwinden konnten und wieso mit der Sichtung des Materials ein unerfahrener Kommissarsanwärter beauftragt wurde, bleibt weiterhin rätselhaft und ungeklärt. Ein Zeuge gab heute an, dass quasi Jeder Zugang zu dem Raum hatte, in dem die Datenträger gesichtet wurden. Immer, wenn es konkret um Personen ging, wurden die Aussagen unpräzise. Die Vermutung, dass innerhalb der Polizeidienststelle Fehler von Kollegen gedeckt oder verschwiegen werden sollten, hat sich in den heutigen Vernehmungen eher verstärkt, als dass sie ausgeräumt werden konnte.
Die Überforderung der örtlichen Polizei, die dem Landrat des Kreises Lippe untersteht,  wurde heute offenkundig. Drei Monate lang hat die Kreispolizei in Lippe im Fall Lügde ermittelt, bis das Polizeipräsidium Bielefeld die Ermittlungen übernommen hat. Viel zu spät hat die Führungsebene in Lippe dem Fall die erforderliche Bedeutung beigemessen. So wurden ständige personelle Wechsel auf Leitungsebene der Ermittlungskommission und nicht ausreichend qualifiziertes Personal zu einem unüberbrückbaren Problem der Ermittlungen. Die fehlende Priorisierung führte nicht zuletzt auch zu unzähligen Fehlern und Versäumnissen in der Bearbeitung. Ein hochrangiger Zeuge aus dem Polizeidienst schilderte heute den „Stolz, wir schaffen das schon“. Die heutigen Zeugenvernehmungen haben erneut gezeigt, wie wenig der Landkreis Lippe die Ermittlungen im Griff hatte und wie richtig und notwendig es von Innenminister Herbert Reul war, den Fall Lügde von der Kreispolizeibehörde abzuziehen und hier einen Sonderermittler einzusetzen.“

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