Stellungnahme zur Rundfunkratssitzung

WDR am 24.1.2020

In der Rundfunkratssitzung am 24.01.2020, setzten sich die Mitglieder des Gremiums intensiv mit dem WDR Beitrag „Oma ist eine Umweltsau“ auseinander. Durchaus konträre Sichtweisen wurden in sehr sachlicher Weise ausgetauscht und der Intendant berichtete umfassend über die Hintergründe der Entscheidungen des Senders. Diese kann ich absolut nachvollziehen und halte sie für richtig.

Zusammenfassend, mit Blick auf die Diskussionen der vergangenen Wochen, meine persönliche Sichtweise:

Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Sie bedeutet aber auch für die Macher von Presse, Rundfunk oder Fernsehen nicht, frei von Kritik zu sein. Dabei kann und darf nicht jede Form von Kritik an der Arbeit von Journalisten und Redakteuren als Angriff auf die Pressefreiheit abgetan werden.
Denn der konstruktiv kritische Umgang der wesentlichen Säulen unserer demokratischen Grundordnung ist gelebte Demokratie. Sie darf nicht unterdrückt werden, wenn man diesen Staat nicht grundlegend verändern will. Eine Entschuldigung eines Intendanten für ein Beitrag, der große Teile der Gesellschaft betroffen gemacht - ja auch verletzt hat, ist nicht das Ende der Pressefreiheit und kein Verrat an den eigenen Mitarbeitern.

Wer wohl verstandene Kritik aus der Mitte der Zuhörerschaft negiert und nicht wahrnehmen will, nur weil sich die äußeren politischen Ränder angeschlossen haben, hat nicht verstanden. Denn wer die Menschen verliert, verliert auch die Akzeptanz. Eine Akzeptanz, die insbesondere ein öffentlich-rechtlicher Sender dringend benötigt, wenn er seiner gesetzlichen Aufgabe nachkommen und nicht von einer wachsenden Zahl von Menschen aus seinem Verbreitungsgebiet nur noch als einseitiges politisches Verbreitungsinstrument wahrgenommen werden will.

Völlig indiskutabel sind Bedrohungen jedweder Art von Redakteuren- kritische Auseinandersetzung dagegen, muss möglich sein.


Der Hype um den verunglückten Umweltsong, die Masse und Breite der Kritik, die Intensität der Diskussion auf vielen gesellschaftspolitischen Ebenen, die dieser Beitrag ausgelöst hat, sollte bei allen Akteuren, die Sensibilität für die Aufgabe, die Rechte und Pflichten, aber auch die Grenzen des eigenen Handelns schärfen. Wenn das gelingt, waren die letzten Wochen eine fruchtbare Zeit für den WDR.

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