Kirstin Korte MdL
Kirstin Korte MdL
Seit Monaten lesen wir immer wieder in der Presse, dass ein massiver Schulleitermangel in Nordrhein-Westfalen besteht, der sich besonders an den Grundschulen auswirkt. Es mangelt schlicht und ergreifend an Bewerbungen, sowohl in der Leitungs- als auch der Stellvertreterfunktion. In Zahlen ausgedrückt: Nach Angaben des Verbandes VBE sind an den 2974 Grundschulen in unserem Bundesland 435 Schulleitungsstellen unbesetzt und weitere 662 Stellvertreterposten offen. Hochgerechnet heißt das: Jede 7. Grundschule in Nordrhein-Westfalen hat keinen Chef!

Mit unserem Antrag möchten wir darauf aufmerksam machen, dass den Pädagoginnen und Pädagogen der Anreiz fehlt. Eine führende Position an einer Grundschule ist unattraktiv, meine Damen und Herren! Nicht zuletzt durch die nicht erfolgte Gehaltsanpassung! Man muss schon mit mehr als Herzblut dabei sein, um sich für ein paar Euros mehr im Monat einen Berg Verwaltungsarbeit aufzuhalsen. Arbeitsfelder wie Statistiken, Ablage, Protokollführung, Weiterleitung von Informationen an Gremien und ganz besonders der Bereich der Dokumentation entwickeln eine immer stärker werdende Eigendynamik. Früher wurden die deutlich geringeren Anteile von Sekretärinnen miterledigt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage hat kaum eine Grundschule mehr eine tägliche Kraft, die Anlaufstelle und Filter für die großen und kleinen Dinge des Alltags ist. Wir müssen auch zugeben, dass der Umfang der Verwaltungsarbeiten eklatant zugenommen hat. So sind Schulleiterinnen und Schulleiter neben ihrem pädagogischen Auftragt oft noch ihre eigene Sekretärin und der eigene Hausmeister, denn diese Stellen wurden durch den Schulträger stark reduziert. Sicher Frau Löhrmann, diesen Teil haben Sie zwar nicht zu vertreten. Die drastische Vermehrung der Verwaltungsaufgaben allerdings. Einhergehend mit offenbar nicht ausreichender Wertschätzung und nur geringen Gestaltungsmöglichkeiten. Trauen Sie den Leitungspersönlichkeiten mehr zu! Schenken Sie ihnen ernsthaft Gehör! An dieser Stelle kann ich mir nicht verkneifen, auf einen Aspekt hinzuweisen, der vielen meiner Kolleginnen und Kollegen im Lande die Lust auf Führungsposition vergällt: Es kann nicht sein, dass Rot-Grün Maulkörbe verteilt! Ich erinnere an den Fall der 20 Schulleiter aus der Region Aachen, die zu einem „dienstlichen Gespräch“ einbestellt wurden, nachdem sie sich in einem Brief kritisch geäußert haben. Da bleibt kein Gestaltungswille, da muss man kuschen. So bekommt man auch das letzte bisschen Herzblut bei den engagierten Pädagogen kaputt! Nun aber zu einem pragmatischen Lösungsversuch, dem Grund unseres Antrags. Wenn die Landesregierung es schon nicht schafft, mehr Pädagoginnen und Pädagogen für Grundschulleitungen zu begeistern, müssen wir die, die wir haben, hegen und pflegen. Wir fordern daher, dass die Möglichkeit geschaffen wird, dass eine Schulleitung für mehr als eine selbstständige Grundschule zuständig sein kann. Bei sinkenden Schülerzahlen und kleiner werdenden Schulen eine Aufgabe, bei der Synergien genutzt werden können. Gleichzeitig möchten und müssen wir diese Führungskräfte deutlich entlasten! Verwaltungsarbeit soll an Schulverwaltungs- assistenten übertragen werden. Dafür müssen Stellen geschaffen werden, ja – aber dass eine Assistenz weniger kostet als eine weitere Führungskraft muss ich nicht näher erläutern; das ist Fakt. Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass das Problem nicht kleiner wird. In den kommenden Jahren gehen viele Schulleiter und Schulleiterinnen in Pension, und es wird noch schwieriger, alle Posten adäquat zu besetzen. Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass durch Themen wie offener Ganztag, Veränderungen der Beratungsnotwendigkeiten, Kooperationen, der Inklusion ect, die Aufgaben immer anspruchsvoller geworden sind. Es gibt Dinge, die kann nur die Schulleitung selbst erledigen. Für alles andere brauchen wir Schulverwaltungsassistenten. Ich setze daher auf Ihre konstruktive Zusammenarbeit und freue mich auf die Diskussionen zu diesem Antrag im Ausschuss.

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